Netbook Dell Inspiron Mini 9 mit Ubuntu 8.04

Aus LinuxUser 01/2009

Netbook Dell Inspiron Mini 9 mit Ubuntu 8.04

© LNM AG

Klein und fein

Seit November gibt es Dells Netbook Inspiron Mini 9 auch hierzulande mit vorinstalliertem Ubuntu 8.04. Das Mini 9 beeindruckt nicht nur mit durchdachte Technik, sondern schont auch den Geldbeutel.

Dell zeigt, was mit einem guten Setup und entsprechender Hardware machbar ist. Für 320 Euro bietet das Inspiron Mini 9 ein (allerdings spiegelndes) 9-Zoll-Display, eine 8 GByte große Solid State Disk, 1 GByte RAM, 802.11b/g-WLAN und Bluetooth. Dank der SSD und des sehr gut angepassten Ubuntu hält der vierzellige Standardakku selbst bei intensivem Betrieb (WLAN, Webcam-Nutzung, voll beleuchtetes Display) drei bis vier Stunden durch. Wer das Netbook nur als Schreibmaschine nutzt, kommt auf Laufzeiten von deutlich über vier Stunden. Einen geleerten Akku lädt ihn das sehr kompakte Netzteil auch während der Arbeit innerhalb von zwei Stunden wieder auf.

Dell hat beim Inspiron Mini 9 auf einen Lüfter verzichtet, wodurch das Netbook flüsterleise arbeitet. Lediglich ein leichtes Surren erreicht das Ohr, hält man es ganz nah an das Gerät. Wer nicht gerade mit dem Kopf auf der Tastatur tippt, dem erscheint das Dell-Netbook absolut stumm. Neben drei USB-Anschlüssen bringt das Inspiron Mini 9 einen Kartenleser für SD-, MMC- und Memory-Stick-Karten mit. Die Karten verschwinden komplett im Leser, das Netbook lässt sich somit auch mit eingelegter Speicherkarte problemlos transportieren.

Perfektes Setup

Dell hat das Ubuntu-System stark angepasst. So erscheinen beim ersten Start zwei Dialoge zur Dell-EULA und zum Dell-Support. Anschließend richten Sie einen Benutzeraccount und die Sprache ein. Der Rechner benötigt anschließend rund fünf Minuten, um die Sprachdateien zu installieren, dann startet automatisch der Gnome-Desktop. Durch einen Fehler im Partitionierungsmodul [1] stehen beim ersten Start anstelle der möglichen sieben GByte Plattenplatz nur deren drei zur Verfügung. Ein Update mit darauffolgenden Neustart behebt dieses Problem aber.

Gut im Griff hat der Inspiron Mini 9 das Powermanagement: Schließen Sie den Netbook-Deckel, legt sich das Gerät schlafen; beim Aufklappen wacht es automatisch wieder auf. Eine Verbindung zu unserem per WPA gesicherten WLAN-Netz klappte auf Anhieb. Nach dem Suspend verbindet sich der Rechner automatisch wieder – hier zeigen viele andere Netbooks Schwächen. Gut gefallen konnte in den Tests auch die 0,3-Megapixel-Webcam. Sie schaltet sich bei Bedarf automatisch ein, eine kleine Lampe sorgt auch im Dunkeln für eine akzeptable Bildqualität. Bei Tageslicht liefert die Webcam ein perfektes Bild.

Die Tastatur des Inspiron Mini 9 fällt relativ klein aus. Sie weist aber einen sehr angenehmen Druckpunkt auf und lässt sich nach etwas Übung problemlos mit 10 Fingern bedienen. Die Funktionstasten hat Dell auf die mittlere Buchstabenreihe gelegt. Dummerweise reicht das nur für die Emulation von [F1] bis [F10] – viele KDE- und Gnome-Programme aber schalten über [F11] in den Vollbildmodus. Auch das Starten von Programmen über [Alt]+[F2] verlangt etwas Fingerakrobatik, da man [Fn]+[Alt]+[S] drücken muss. Schließlich bringt auch die Linux-Version des Inspiron Mini eine Windows-Taste mit, die jedoch nicht einmal das Hauptmenü öffnet. Hier hätte Dell besser die von Asus erfundene Home-Taste übernommen.

Der Mini 9 kommt mit lediglich zwei LEDs aus, Statusanzeigen für Caps- oder Numlock und WLAN fehlen. Auch lässt sich die Webcam nicht per Tastendruck ein- oder ausschalten. Dies sind aber auch die einzigen echten Kritikpunkte am 9-Zoll-Netbook, das in den Tests sonst sehr viel Freude bereitete. Das Touchpad reagiert sehr präzise, ohne überempfindlich zu sein; der Scroll-Bereich am rechten Rand funktioniert tadellos. Die zwei Maustasten verfügen über einen angenehmen und spürbaren Druckpunkt, ohne laut zu klicken.

Eigenes Interface

Um Windows-Umsteigern das Leben unter Ubuntu möglichst schmackhaft zu machen, hat Dell einen eigenen Programmstarter entwickelt. Der Dell Launcher (Abbildung 1) legt sich quasi transparent über den Gnome-Desktop und bietet Zugriff auf die fünf Menüpunkte Internet, Lernen, Produktivität, Spiele und Unterhaltung. Er macht dabei intensiven Gebrauch von 3D-Effekten. Über ein großes Pluszeichen lassen sich dem Hauptmenü weitere Punkte hinzufügen. Auch die Liste der Einträge, die zu einem Hauptmenü gehören, passen Sie auf diese Weise an, ohne dass dazu ( wie beim EeePC) externe Tools nötig wären. Sagt ihnen die schillernde Dell-Oberfläche nicht zu, wechseln Sie über Desktopmodus wechseln aus dem Hauptmenü zum gewohnten Gnome. Das funktioniert auch im laufenden Betrieb.

Abbildung 1: Das Schnellstartmenü von Dell sieht nicht nur gut aus, es lässt sich auch einfach konfigurieren.

Abbildung 1: Das Schnellstartmenü von Dell sieht nicht nur gut aus, es lässt sich auch einfach konfigurieren.

Eigenes Repository

Die Ubuntu-Version auf dem Inspiron Mini 9 wurde speziell für Intels LPIA-Architektur kompiliert, ist also nicht i386-kompatibel. Das fällt spätestens dann auf, wenn man etwa versucht, das Skype-Binary zu installieren. Aus diesem Grund hat Canonical für den Dell-Rechner unter http://dell-mini.archive.canonical.com ein eigenes Repository eingerichtet.

Das Repository enthält allerdings nur die Ubuntu-Standardpakete. Dells Videochat-Programm oder der Dell Launcher finden sich weder dort noch via Google. Löschen Sie eines der Pakete, kommen Sie nur noch über die Recovery-DVD wieder daran. Auf diesem Datenträger lagern nicht etwa Programmpakete, sondern ein kompletter Abzug des Systems samt Verzeichnisstruktur. Die wichtigsten Dateien für den Videochat befinden sich beispielsweise im Verzeichnis /usr/share/dellvideochat. Kopieren Sie es auf einen beliebigen Linux-PC, lässt sich das Programm auch unter anderen Distributionen nutzen (Abbildung 2) .

Abbildung 2: Das Videochat-Programm von Dell gibt es zwar nirgends zum freien Download, mit etwas Handarbeit funktioniert es aber auch unter OpenSuse.

Abbildung 2: Das Videochat-Programm von Dell gibt es zwar nirgends zum freien Download, mit etwas Handarbeit funktioniert es aber auch unter OpenSuse.

Bei der Installation von Paketen aus Standard-Ubuntu-Repositories gilt es zu tricksen. Zwar sind i368-Binaries eigentlich mit LPIA kompatibel. Da aber die Architektur im Paket vermerkt ist, weigert sich der Paketmanager, auf dem Dell das i386/i586-Binary zu installieren. Als Workaround entpacken Sie das fragliche Paket vorab und ändern darin die Meta-Informationen zur Architektur. Wie das zum Beispiel für Skype funktioniert, lesen Sie im Ubuntuforum [2].

Ubuntu 8.10, OpenSuse

Das neueste Ubuntu und OpenSuse 11.1 Beta 4 lassen sich auf dem Mini-Inspiron problemlos installieren. Ubuntu 8.10 erkennt die verbaute Hardware problemlos, auch das WLAN funktioniert ohne manuelle Konfiguration. Lediglich mit der Soundausgabe hat “Intrepid Ibex” Probleme: Die Lautsprecher und der Kopfhörerausgang bleiben stumm, obwohl Ubuntu die Soundkarte korrekt erkennt. Der Stromverbrauch liegt bei 11 Watt, die Akkulaufzeit bei dreieinhalb Stunden.

Die Beta 4 von OpenSuse 11.1 lässt sich problemlos auf dem Inspiron Mini 9 einspielen, hier funktionieren allerdings weder LAN noch WLAN oder die Soundausgabe. Der Stromverbrauch liegt ebenfalls bei 11 Watt, und ein Suspend-to-RAM bereitet keine Probleme. Das LAN-Problem verursacht offenbar ein Bug in der 11.1-Beta-Version, unter OpenSuse 11.0 funktioniert die Netzwerkanbindung tadellos.

Beim WLAN-Treiber handelt es sich um ein proprietäres Modul von Broadcom, das Sie auf der Hersteller-Supportseite [3] finden. Die Datei Readme.txt erklärt die Installation detailliert. Um das Modul wl.ko über den Befehl insmod wl.ko zu aktivieren, muss das Kernelmodul ieee80211_crypt bereits geladen sein, sonst bricht insmod mit einer Fehlermeldung ab.

Fazit

Bei einem Preis von rund 350 Euro inklusive Versandkosten bietet der Dell Inspiron Mini 9 das wohl beste Preis/Leistungsverhältnis unter den derzeit erhältlichen Netbooks. Planen Sie jetzt, den Minirechner noch zum Christfest zu verschenken, sollten Sie sich von diesem Gedanken gleich wieder verabschieden: Bei der Linux-Version müssen Sie mit zwei Wochen Lieferzeit rechnen.

Glossar

LPIA

Low Power on Intel Architecture ist eine von Intel ins Leben gerufene Architektur, die auf einen möglichst kleinen Stromverbrauch optimiert ist. Außer bei Netbooks kommt sie vor allem in Autocomputern zum Einsatz.

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