An Schulen und Hochschulen hält Linux nur langsam Einzug, dabei gibt es zahlreiche interessante Programme, die sich im Unterricht oder fürs Selbststudium verwenden lassen – und das für alle Altersstufen und viele Fachgebiete. UberStudent und Edubuntu bündeln solche Anwendungen.
Office, Internet und Spielen – das sind klassische Anwendungsfelder für Computer, doch gerade Schüler (und Studenten) können einen PC auch zum Lernen verwenden, je nach Altersklasse eher spielerisch oder mit Tools, die zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sowie zum Erstellen von Seminar- und Abschlussarbeiten geeignet sind. Mit UberStudent und dem Ubuntu-Ableger Edubuntu stehen zwei auf den “Education”-Bereich spezialisierte Linux-Distributionen bereit, die wir in diesem Artikel vorstellen.
UberStudent 4.1
UberStudent [1] ist laut Entwicklerangaben eine auf Debian und Ubuntu basierende Distribution, die als Zielgruppe Studenten und Schüler (höherer Klassen) anvisiert. Der Schwerpunkt in der Software-Auswahl liegt dabei nicht auf fachlichen Awendungen (etwa für Mathematik oder Physik), sondern auf Produktivitätstools, die im Schul- und Hochschulumfeld nützlich sind.
Wir haben die Version 4.1 getestet, die bereits im Januar 2015 erschienen ist. Sie ist als 4,1 GByte großes Images zum Download verfügbar und bootet ein aufgeräumtes Live-System mit Xfce-Desktop, in dem sich alle Programme testen lassen. Ein Installer ist hier auch verfügbar, allerdings schlug in unserem Test (mit VirtualBox) die Installation fehl – der Vorgang brach am Ende mit einer Fehlermeldung ab, und das auf Platte kopierte System war nicht startbar. Auf anderer (echter) Hardware tritt dieser Fehler aber nicht zwingend auf.
Über ein klassisches Menü (Abbildung 1) sind die vorinstallierten Anwendungen komfortabel erreichbar, dabei hilft es, dass UberStudent hier ein hierarchisches Startmenü nutzt. Das Programm Cherrytree, das wir auch in den Software News dieser Ausgabe vorstellen, findet sich z. B. unter Education / Research and Writing / CherryTree. Wie an diesem Menüpunkt erkennbar ist, fehlen der Distribution (im Live-System) die deutschen Lokalisierungen. Der Installer lädt Sprachpakete herunter.

Abbildung 1: UberStudent hat die vorinstallierte Software übersichtlich in ein hierarchisches Startmenü eingetragen.
Schreiben
Für das Schreiben von Seminar- und Hausarbeiten stehen unter Education / Research and Writing die folgenden Programme zur Verfügung:
- Das schon erwähnte Tool Cherrytree ist ein Outliner, der sich u. a. für Unterrichts-/Vorlesungsmitschriften eignet.
- Mit LyX erstellen Sie LaTeX-Dokumente, ohne sich in die Syntax von LaTeX einarbeiten zu müssen. Das Programm verfolgt dabei einen WYSIWYM-Ansatz (“what you see is what you mean”) – auf den ersten Blick sieht eingegebener Text wie in einer Textverarbeitung aus, aber tatsächlich tauchen etwa Zeilen- und Seitenumbrüche an anderen Stellen auf als sie später im erzeugten PDF-Dokument erscheinen werden.
- Zotero (Abbildung 2) ist eine Literaturverwaltung, die Quellen in verschiedene Dateiformate exportieren kann, darunter auch das BibTeX-Format, das LaTeX verwendet.

Abbildung 2: Mit Zotero verwalten Sie Literaturquellen, die Sie in Seminar- oder Abschlussarbeiten zitieren wollen.
Präsentation und Editoren
Neben LibreOffice, dessen Modul Presenter als PowerPoint-Ersatz für klassische Folienpräsentationen geeignet ist, finden sich unter Education / Presentations noch weitere Programme:
- PDF Cube zeigt PDF-Dateien (im Vollbildformat) an, kann dabei aber Folienübergänge erzeugen, wie sie aus anderen Präsentationsprogrammen bekannt sind.
- In Whyteboard können Sie eine PDF-Datei laden und dann auf den einzelnen Seiten zeichnen, Text ergänzen oder Elemente hervorheben, was eine etwas interaktivere Vorstellung eines Foliensatzes erlaubt.

Abbildung 3: Whyteboard öffnet PDF-Dateien und lässt Sie beim Präsentieren verschiedene Anmerkungen und grafische Elemente ergänzen.
Dazu gesellen sich unter Graphics weitere Tools, die beim Schreiben helfen: Scribus ist für anspruchsvollere Layout-Aufgaben geeignet, Inkscape hilft beim Erstellen von Vektorgrafiken, Pinta ist ein simples Grafikprogramm für Pixelgrafiken, und der “Master PDF Editor” ist ein kommerzielles Tool zum Verändern bestehender PDF-Dokumente, das aber für private Zwecke frei nutzbar ist.
Insgesamt bietet UberStudent eine durchdachte Auswahl von Anwendungen und ist trotz der in unserem Test aufgetretenen Installationsprobleme in jedem Fall einen Blick wert.
Edubuntu 14.04.3
Die Distribution Edubuntu [2] gehört zur Ubuntu-Familie und setzt in der Voreinstellung auf die grafische Oberfläche Unity (wie auch das reguläre Ubuntu). Für ein Linux-System, das sehr viele potenziell unbekannte Anwendungen (aus dem Umfeld der Lernsoftware) enthält, ist das leider keine gute Wahl, da Unity kein hierarchisches Startmenü besitzt. Es gibt hier nur eine Möglichkeit, halbwegs einen Überblick zu erhalten: Nach dem Öffnen der Anwendungs-“Linse” mit [Windows]+[A] können Sie rechts oben auf Suchergebnisse filtern klicken und dann z. B. die Kategorie Bildung auswählen. Von den Treffern zeigt der Dialog dann nur die erste Reihe an; erst ein Klick auf 19 weitere Ergebnisse anzeigen bringt alle Programme dieser Kategorie ans Licht (Abbildung 1) – zumindest teilweise – wegen übergroßer Icons muss man hier auch noch scrollen. Weitere Programme verbergen sich hinter den Kategorien Wissenschaft und Spiele.

Abbildung 4: Chaos in der Ubuntu-Anwendungslinse – Anwender müssen schon wissen, welches Programm sie suchen, um hier fündig zu werden.
Besser benutzbar wird Edubuntu, wenn Sie bei der Installation gleich angeben, dass Sie Gnome verwenden wollen: Gleich nach Auswahl der Sprache können Sie dazu ein Häkchen an der Option GNOME-Arbeitsumgebung (Reserve) setzen. Im Login-Manager schalten Sie dann später die Session auf Gnome Flashback (Metacity) um – dann startet ein normaler Gnome-Desktop mit brauchbarem Startmenü (Abbildung 2).

Abbildung 5: Edubuntu mit Gnome-Desktop – von links nach rechts die Untermenüs “Bildung”, “Spiele” und “Wissenschaft”.
Bei der Installation können Sie übrigens auch grob die Zielgruppe festlegen und von den Bildungspaketen
- ubuntu-edu-preschool (Programme für Kindergartenkinder)
- ubuntu-edu-primary (Grundschulkinder)
- ubuntu-edu-secondary (Schulkinder)
- ubuntu-edu-tertiary (Studenten)
einzelne abwählen (Abbildung 2), um deren Installation zu verhindern; das reduziert dann auch die Probleme bei der Programmsuche.
Was wird geboten?
Wenn Sie unter Edubuntu den Desktop Gnome nachrüsten, sind in dessen Startmenü die Einträge Bildung und Wissenschaft die besten Anlaufstellen, um die Distribution zu erkunden. Unter Bildung finden Sie u. a. folgende Programme:
- GCompris (Abbildung 1) ist eine Sammlung von Spielen für kleine Kinder; darunter findet sich z. B. ein Programm, in dem geometrische Objekte gespiegelt werden sollen.
- Blinken trainiert das Gedächtnis: Vier Farbflächen leuchten in wechselnden Sequenzen (mit begleitenden Tönen) auf – der Spieler muss die Flächen danach in gleicher Weise drücken.
- Diverse KDE-Programme (u. a. KBruch, KGeography, Klavaro, KLettres) trainieren elementare Aufgaben wie Bruchrechnung, Maschinenschreiben oder das Alphabet.
- Für die älteren Schüler und Studenten gibt es die mathematischen Funktionsplotter KmPlot und Lybniz sowie das Globusprogramm Marble.
Die Wissenschaft-Sparte enthält den Gleichungslöser KAlgebra, Chemtool (zum Zeichnen von Molekülen), Kalzium (eine Darstellung des Periodensystems), KStars (ein Planetarium) und Rocs (hilft dabei, Konzepte der Graphentheorie darzustellen).
Dazu gesellt sich eine Auswahl gängiger Office- und Grafikprogramme; neben LibreOffice sind auch Dia, Gimp, LibreCAD, Inkscape, Scribus, Pencil sowie ein E-Book-Reader mit an Bord. Die üblichen Internetprogramme (Firefox, Thunderbird, Empathy, Liferea) gibt es auch.
Fazit
Edubuntu und UberStudent sind gute Anlaufpunkte, um eine Übersicht verfügbarer Programme zu erhalten – das allein ist aber kein wirklicher Grund, sie fest auf einem Rechner zu installieren, denn alle Anwendungen können Sie auch unter “normalen” Distributionen ohne Schul- und Hochschulfokus nachinstallieren.


