Mit DVDStyler erstellen Sie im Handumdrehen professionell wirkende DVD-Menüs und brennen das Gesamtkunstwerk direkt auf die Silberscheibe. Dank Ffmpeg unterstützt die Software obendrein alle wichtigen Video-Codecs.
DVDStyler (Abbildung 1) [1] dient als Frontend für das auf Experten ausgerichtete DVD-Authoring-System Dvdauthor [2]. Viele Aufgaben, für die Dvdauthor XML-Steuerdateien und eine spezielle Skriptsprache benötigt, gelingen mit DVDStyler per Drag & Drop oder über eine Auswahl aus Dropdown-Feldern. Das GUI-basierte Programm gestattet aber auch das Eintippen von Dvdauthor-Skriptbefehlen (Abbildung 2). Auf diese Weise lassen sich beliebige Ablaufketten aus Menüs und einer auf Benutzereingaben reagierenden Videowiedergabe programmieren.

Abbildung 1: Für schicke DVD-Menüs mit animierten Thumbnail-Buttons brauchen Sie mit DVDStyler nur wenige Mausklicks.

Abbildung 2: Gut für Benutzer mit unterschiedlichen Ansprüchen: Alternativ zur Auswahl in Dropdown-Feldern bietet die Software auch die Möglichkeit, komplexe Dvdauthor-Skriptbefehle per Hand einzugeben.
Einstellungssache
DVDStyler steht in den Repositories aller gängigen Distributionen zur Installation bereit. Nach dem Start fragt die Software einige Grundeinstellungen ab (Abbildung 3): Das nur auf dem Computer sichtbare Disklabel, die Diskgröße (4,4 GByte für Single Layer oder 7,9 GByte für Double Layer) sowie die Video-Bitrate und die Audiobitfrequenz.

Abbildung 3: Nach dem Start fragt DVDStyler nach der Mediengröße und der gewünschten Videoqualität. Später informiert die Statusleiste, wie viel Platz mit diesen Einstellungen auf der Silberscheibe bleibt.
In der Voreinstellung Auto verringert DVDStyler nötigenfalls die Qualität, bis alle Videos auf die DVD passen. Die Statusleiste rechts unten zeigt die aus den Bitraten-Einstellungen resultierende Spielzeit und den freien Platz auf der DVD (Abbildung 3, rot markiert). Sie ändern die Bitraten jederzeit unter DVD | Optionen oder legen gesonderte Einstellungen für einzelne Videos fest. Außerdem wählen Sie zwischen den Videostandards NTSC (Amerika/Japan) und PAL (Rest der Welt) sowie den Seitenverhältnissen 16:9 und 4:3.
Nach dem Willkommen-Schirm bietet DVDStyler die Auswahl einer Vorlage für das DVD-Menü an. Um alle Funktionen des Programms kennenzulernen, lehnen Sie zunächst mit einem Klick auf Ohne Vorlage ab. Die Inhaltsspur unten im Fenster enthält danach lediglich ein einzelnes leeres Menü in der Gruppe VMGM (Video-Manager-Menü). Video-Manager-Menüs dienen laut DVD-Standard (siehe Kasten “DVD-Standard”) zum Starten von Videos. Neben diesen primären Auswahlen existieren noch an die einzelnen Titel gebundene Menüs, in denen Sie nach Wunsch Kapitel, Untertitel oder die Tonspur einstellen.
DVD-Standard
Auf der untersten Ebene definiert der im Original kostenpflichtige und gegen Unterzeichnung eines Non-Disclosure-Agreements erhältliche DVD-Standard eine Dateisystemstruktur und Dateiformate. Videodaten liegen dort in VOB-Dateien (MPEG-Videos in MP2-Komprimierung), für Menüs und Skripte sieht der Standard Binärdaten vor.
Die sogenannten VMG-Menüs sind bei DVDs mit mehreren Spielfilmen nicht an einen Titel gebunden. Eines von ihnen trägt das Titel-Flag, das Sie in den Eigenschaften in DVDStyler erkennen. Dieses Menü öffnet der Player nach dem Einlegen. Neben dem Titelmenü kann die VMGM-Gruppe weitere Menüs enthalten, die Sie über Schaltflächen im Titelmenü starten.
Jeder Titelsatz muss ein Root-Menü enthalten. DVDStyler wählt dafür das erste Menü aus (siehe Kontrollkästchen in Eigenschaften). Sie starten es über einen Button in einem VMGM-Menü oder den Hardware-Root-Button im Player. Auch für die Menüs mit Sonderfunktionen (Root, Audio, Untertitel, Kapitel oder Aspect) sieht die Spezifikation Hardware-Tasten vor. Alle weiteren Menüs im Titelsatz lassen sich nur von einem Button eines anderen Titelsatzmenüs aufrufen.
Die Menüs Audio, Untertitel und Kapitel stehen nominell für eine bestimmte Rolle, doch technisch spricht nichts dagegen, die Funktionen an anderer Stelle zu integrieren, zum Beispiel im Titelmenü. Aspects setzen spezielle Videos mit mehren Bildspuren voraus, die sich unter Linux nicht ohne Weiteres erstellen lassen.
Der Standard schränkt die Sprungziele der Menüschalter ein: Buttons auf VMGM-Menüs springen nur zum ersten Menü im Titelsatz, dem Root-Menü. Nur diese ersten Menüs im Titelsatz dürfen zu einem Kapitel springen. Zum Glück eliminierten die Entwickler von Dvdauthor diese Einschränkungen größtenteils durch ein (für den Anwender nicht sichtbares) Skripting.
Am besten aktivieren Sie dieses Jumppads genannte Feature immer zu Beginn der DVDStyler-Session unter DVD | Eigenschaften | Erstelle Sprungziele (jumppads). Dann bleibt lediglich die Einschränkung, dass VMGM-Menüs nicht direkt zu Kapiteln eines Videotitels springen dürfen.
Box in der Box
Nach dem Start rufen DVD-Spieler das Titelmenü auf, also das erste VMGM-Menü. Per Knopfdruck wechseln Sie jederzeit zu diesem Basismenü. Im Linux-DVD-Abspielprogramm Xine [3] etwa übernimmt das der Punkt Menüs | Titel im Kontextmenü.
Um die Funktionsweise der DVD-Menüs kennenzulernen, fügen Sie Ihrem DVD-Projekt zuerst ein Video hinzu. Es darf sich dabei um eine Datei in irgend einem der vielen mit Ffmpeg kompatiblen Formate handeln. Da Sie jedoch die Menüs erst nach dem Mastern der DVD in Aktion sehen, wählen Sie zum Üben am besten einen nur wenige Sekunden langen Clip: Das Erzeugen einer DVD in Spielfilmlänge nimmt, je nach Komplexität des Projekts, zuweilen Stunden in Anspruch.
Zum Hinzufügen eines Videoclips klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Inhaltsstreifen unten im Programmfenster (Abbildung 4) und wählen aus dem Kontextmenü Hinzufügen | Datei…, worauf der Dateiwähler startet.

Abbildung 4: Im filmstreifenartigen Bereich unten im Fenster zeichnet sich die Struktur der DVD ab: Die Gruppe VMGM bündelt für alle Titel zuständige Menüs. Jeder Titelsatz enthält weitere Menüs, die sich nur auf die in ihm selbst enthaltenen Titel beziehen.
DVDStyler bettet das erste Video in die Gruppe Titelsatz 1 ein (Abbildung 4). Beim Titelsatz handelt es sich um die oberste der drei Hierarchieebenen einer DVD: Titelsätze bündeln einzelne Videos (“Titel”). Die Titel lassen sich weiter in Kapitel untergliedern, die beispielsweise ein Menübutton verlinkt.
Die auf den ersten Blick nicht erkennbare Funktion von Titelsätzen besteht darin, für die in ihnen enthaltenen Titel Menüs vom Typ Root, Audio, Untertitel, Kapitel oder Aspect bereitzustellen. In der Praxis enthält ein Titelsatz meist nur ein Video. Gruppieren Sie dagegen mehrere Videos per Titelsatz, dann teilen diese sich die erwähnten Spezialmenüs.
Die Praxis
Um die Grundlagen kennenzulernen, setzen Sie zunächst ein simples Konzept um: Beim Einlegen der DVD soll ein Menü mit zwei Einträgen erscheinen, das einen von zwei Filmen auf der DVD startet (Abbildung 5). Fügen Sie dazu mit einem Rechtsklick auf die Inhaltsspur einen weiteren Film ein. Er erscheint als Titel 2 in Titelsatz 1 (Abbildung 5, unten).
Ein Klick auf das Menü 1 aus der Gruppe VMGM öffnet es zum Bearbeiten im Hauptpanel des DVDStyler-Fensters. Klappen Sie nun den Reiter Knöpfe an und ziehen Sie von dort einen Steuerschalter auf das Menü. Ein Doppelklick auf den abgelegten Button öffnet dessen Einstellungen, die je nach Typ unterschiedliche Farb- und Beschriftungsoptionen enthalten.
Den wichtigsten Wert Springe zu finden Sie in der Rubrik Aktion: Dort wählen Sie das Video, das ein Klick auf den Button starten soll. Titelsatz 1 Titel 1 dient bei neuen Buttons als Voreinstellung. Ziehen Sie nun noch einen zweiten Schalter auf das Menü, für den Sie in den Einstellungen Titelsatz 1 Titel 2 wählen.
Um das Menü in Aktion zu sehen, klicken Sie auf das orangefarbene DVD-Symbol in der Schalterleiste. Im Dialog Brennen wählen Sie die Aktion Nur erstellen bei aktivierter Vorschau (Abbildung 6). Start mastert schließlich das Videoprojekt und öffnet es, sofern vorhanden, im Xine-Player. Darin prüfen Sie, ob die Buttons wie gewünscht funktionieren.

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Abbildung 6: Der DialogBrennen startet auf Wunsch vor dem Schreiben auf DVD eine Vorschau im Videoplayer Xine.Später erstellen Sie im Brennen-Dialog entweder eine ISO-Datei, die Sie mit einem beliebigen Brennprogramm auf eine DVD bannen, oder überlassen das Brennen gleich der Software selbst.
Aufpoliert
Um den Menühintergrund zu verschönern, wählen Sie eines der mitgelieferten Bilder aus dem Reiter Hintergründe, indem Sie die gewünschte Grafik per Drag & Drop ins Menüfenster ziehen. Alternativ navigieren Sie im Dateimanager zu einem Verzeichnis mit Bitmap-Dateien und verfahren wie beschrieben.
Sie dürfen auch einen kurzen Videoclip als Hintergrund setzen, der dann beim Abspielen in einer Endlosschleife läuft. Allerdings handelt es sich dabei um eine eher experimentelle Funktion, die in manchen Programmversionen funktioniert, in anderen nicht: In DVDStyler 2.7.2 unter Ubuntu 14.04 lief sie fehlerfrei, in Version 2.8.2 unter Arch Linux ließen sich über dem Videohintergrund liegende Buttons nicht benutzen.
Apart wirken auch animierte Thumbnail-Buttons, die einen Ausschnitt des zu startenden Videos abspielen. Um sie zu erstellen, ziehen Sie einen der Buttons mit weißem Rahmen und schwarzem Hintergrund aus dem Reiter Knöpfe auf das Menü.
In den Einstellungen des Video-Buttons legen Sie zuerst ein Sprungziel fest, das zugleich den im Schalter laufenden Clip definiert. Mit dem Drei-Punkte-Button hinter Video: wählen Sie eine Startzeit und eine von null verschiedene Abspieldauer – andernfalls erscheint nur der erste Frame des Clips als Stillleben.
Standardmäßig laufen die Videos in Menüs nur einmal ab. Das ändern Sie, indem Sie per Doppelklick auf des Menü in der Inhaltsspur dessen Einstellungen öffnen und den Haken Wiederholen im unteren Drittel des Dialogs setzen. Diese Loop-Einstellung gilt auch für die Audio-Datei, die Sie im gleichen Dialog für das Menü als Hintergrundsound auswählen. Für pausenlose Loops müssen die Abspielzeiten aller Multimediaelemente im Menü gleich lang ausfallen.
Unter Konfiguration | Einstellungen | Oberfläche legen Sie mit dem Standardknopf einen Schaltertyp fest, den DVDStyler beim Ziehen eines Titels auf ein Menü einfügt. In diesem Button ist das Sprungziel dann praktischerweise bereits gesetzt.
Per Rechtsklick auf den Menüeditor fügen Sie außerdem noch statische Bild- und Textelemente hinzu, die nur der grafischen Gestaltung dienen, aber keine Steuerungsfunktionen übernehmen.
TIPP
Unter Arch Linux blieb DVDStyler zunächst beim Erzeugen der Menüs reproduzierbar hängen. Für Abhilfe sorgte das Deaktivieren des Kästchens Mplex für Menüs benutzen unter Einstellungen | Systemkern.
Kapitelweise
Viele DVDs enthalten Menüs, die zu bestimmten Szenen des Spielfilms springen. Der DVD-Standard erlaubt das jedoch nur von Menüs im Titelsatz aus, nicht aber von den Basismenüs aus der VMGM-Gruppe. Titelsatz-Menüs fügen Sie in der Software mit der Rechtsklickaktion Menü im Inhaltsstreifen ein (Abbildung 7). Dann öffnen Sie per Doppelklick den Eigenschaften-Dialog eines Videos im Projekt, um es in Kapitel aufzuteilen.

Abbildung 7: Mit dem Editor splitten Sie Filmtitel in Kapitel, die Sie anschließend mit Buttons verknüpfen.
Zur Definition der Kapitel dienen Einträge von Zeitcodes in der Form 2:35.023,12:14.245,[...] neben Kapitel. Die dreistellige Zahl nach dem Punkt steht für Hundertstelsekunden. Sie müssen diese Einträge allerdings nicht per Hand erstellen: Der Drei-Punkte-Button rechts vom Eingabefeld öffnet einen Editor, in dem Sie Szenen per Schieberegler ansteuern.
Der Plus-Button fügt zunächst eine Kapitelgrenze am Schluss des Videoclips ein. Ein Doppelklick auf das zugehörige Thumbnail öffnet den Zeitcodewähler mit einem Schieberegler und Vorschaubild. Die gewünschte Zeitmarke speichern Sie mit einem Klick auf OK ab.
Öffnen Sie nun das Menü 1 im Titelsatz 1 zum Bearbeiten und ziehen Sie einen Steuerknopf aus dem Reiter Knöpfe darauf. In den Einstellungen, die Sie per Doppelklick auf den Knopf öffnen, wählen Sie nun unter Springen zu nicht mehr nur Titelsatz und Titel, sondern zusätzlich das Kapitel.
Allerdings lässt sich das Kapitelmenü selbst bisher für den Betrachter der DVD noch nicht erreichen. Sie müssen dazu im VMGM-Menü 1 einen Button anlegen, der es aufruft. Wählen Sie in den Schaltereinstellungen unter Springe zu den Eintrag Titelsatz 1 Menü 1. Damit Sie das Kapitel auch während des Abspielens über den Hardware-Button Kapitel des Players erreichen, aktivieren Sie in den Menüeinstellungen noch das Häkchen Kapitel.
Strickmuster
Häufig brennen Sie vermutlich nur ein Video auf eine DVD: Ein Spielfilm in hoher Qualität füllt die Silberscheibe schon aus. Dafür genügt ein Menü, von dem aus Sie zu den Kapiteln das Films springen. Allerdings darf das vom Player nach dem Einlegen angezeigte VMGM-Menü nicht direkt zu den einzelnen Kapiteln verzweigen.
Hier hilft ein einfacher Trick: Tippen Sie in den Einstellungen des VMGM-Menü 1 in das Feld Vorbefehl das Kommando jump titleset 1 menu; ein. Dann springt der DVD-Spieler direkt zum ersten Menü im Titleset 1, ohne das Basismenü anzuzeigen. Der im DVDStyler über dem Dropdown-Button rechts vom Feld zu findende Befehl jump menu 1; ist hier fehl am Platz: Er führt dazu, dass der Player in einer Endlosschleife hängenbleibt.
In den Eigenschaften dürfen Sie allen Menüs und Videos Vor- und Nachbefehle zuweisen, die vor dem Start oder nach dem Verlassen ablaufen. Mithilfe dieser Kommandos stößt ein Schalter Ereignisketten an, startet also zum Beispiel einen Kurzclip, der dann per Nachbefehl zu einem Menü überleitet. Jeder kennt die Copyright-Warnung kommerzieller DVDs, die als Vorbefehl des Titelmenüs umgesetzt ist. Starten Sie auf demselben Weg gleich das Hauptvideo, erhalten Sie eine DVD, die nach dem Einlegen sofort mit dem Spielfilm beginnt. Ruft das Hauptvideo als Nachbefehl sich selbst auf, entsteht eine Endlos-DVD, wie sie in Messepräsentationen zum Einsatz kommt.
Viele gekaufte DVDs enthalten Tonspuren in mehreren Sprachen. Zum Teil betten auch Satellitenfernsehaufnahmen mehrere Audiospuren ein, beispielsweise beim Sender Arte (Deutsch und Französisch). Wenn Sie eine solche Videodatei in einem DVDStyler-Projekt benutzen, lässt sich im Einstellungsdialog des Startbuttons eine Audiospur wählen (Abbildung 8).

Abbildung 8: Buttons zum Starten von Videos bleiben entweder bei der zuletzt gespielten Tonspur oder wählen bei Titeln mit mehreren Spuren gezielt eine bestimmte aus.
Auf professionellen DVDs gibt es meist ein gesondertes Menü für die Auswahl der Sprache. Die einmal getroffene Einstellung bleibt beim Starten von Filmen und Kapiteln erhalten, bis der Betrachter eine andere Sprache wählt. Eine Lösung, die dem nahekommt, realisieren Sie in DVDStyler wie folgt: Fügen Sie einem Titelsatz wie beschrieben ein weiteres Menü hinzu. Damit der DVD-Spieler es als Tonspurwahlmenü erkennt, aktivieren Sie in seinen Einstellungen das Kontrollkästchen Audio.
Fügen Sie für jede Sprache eines jeden Films einen Startbutton hinzu, der statt der Standardeinstellung zuletzt ausgewählte im Feld Audio die gewünschte Audiospur referenziert. Behalten Sie bei anderen Schaltern die Audio-Standardeinstellung zuletzt ausgewählte bei, zum Beispiel im Kapitelmenü, dann belässt es der Player bei der zuletzt gewählten Audiospur.
Film-Skript
So intuitiv wie die professionellen Sprachwahlmenüs, die Sprachauswahl und Videostart trennen, wirkt dieses Verfahren nicht. Eine die ganze Videositzung lang geltende Spracheinstellung lässt sich aber mithilfe von Skripting umsetzen.
Fügen Sie Ihrem Titelsatz gegebenenfalls ein Menü zur Auswahl der Audiosprache hinzu und platzieren Sie im Kapitelmenü einen Schalter, der dorthin springt. Erstellen Sie nun im bisher noch leeren neuen Menü einen Button mit dem benutzerdefinierten Befehl audio = 0 ; jump menu 1 ;. Dieser Schalter setzt die Audiosprache genau wie das Anspielen eines Titels durch explizite Wahl der Audiospur. Dabei gelten nullbasierte Werte, audio = 0 steht also für Spur 1. Geben Sie mehrere Befehle in ein dafür vorgesehenes Eingabefeld ein, dann trennen Sie diese mit einem Semikolon.
Das Kommando jump menu 1 ; springt zum Root-Menü zurück, denn das Audioauswahlmenü hat nach einem Klick auf den Sprachwahl-Button seinen Zweck erfüllt. Audiospur 2 wählt ein weiterer Button mit dem Befehl audio = 1 ; jump menu 1 ; und so weiter, je nach Zahl der Audio-Tracks.
Die simplen, bisher vorgestellten Skripte sind beim Erlernen der in ihrem Umfang begrenzten Dvdauthor-Skriptsprache schon fast die halbe Miete: Mit audio = 0 setzten Sie ein Systemregister. Neben Systemregistern wie audio und subtitle gibt es noch 16 Benutzerregister – g0 bis g15. Wie der Pseudovariablen audio dürfen Sie ihnen per Gleichheitszeichen einen maximal 16 Bit (65535) großen Wert zuweisen. Anders als bei den Systemregistern wirkt sich das jedoch nicht auf den Player aus.
Dafür steuert deren Auswertung in einer If-Klausel den Skriptfluss: if( g0 == 0 ){ jump menu 1 ; } führt den Sprungbefehl nicht aus, falls vorher ein Button das Register g0 mit dem Befehl g0 = 1; auf einen von null verschiedenen Wert setzte. Unterschiedliche Abläufe beim ersten und zweiten Abspielen realisieren Sie mittels Vor- oder Nachbefehlen der Menüs oder Videos (Abbildung 9).

Abbildung 9: Erfahrene Anwender knüpfen die Dvdauthor-Sprungbefehle an Bedingungen, um auf zurückliegende Benutzereingaben zu reagieren.
Ein PDF [4] erläutert alle weiteren Vergleichsoperatoren für If-Klauseln sowie die übrigen Sprungbefehle sowie alle anderen Features der Skriptsprache, die DVDStyler an das Dvdauthor-Backend weiterreicht. Da sich weder am DVD-Standard noch am Befehlsassembler in Dvdauthor seither etwas änderte, gilt der Abschnitt zum DVD-Skripting dort trotz seines Alters noch uneingeschränkt.
Fazit
DVDStyler bedient die Bedürfnisse vieler Anwender: Per Drag & Drop entstehen professionell wirkende Menüs. Genügen die von der Software vorgegebenen Möglichkeiten nicht, geben Sie in die Befehlsfelder per Hand Dvdauthor-Skriptbefehle ein.
Negativ fiel im Test der schon fast abstrus hohe Arbeitsspeicherverbrauch der GUI auf, der in längeren Sessions selbst den mit 12 GByte RAM ausgestatteten Testrechner in die Knie zwang – wohlgemerkt das Frontend, nicht etwa Ffmpeg, der die eigentliche Arbeit im Hintergrund leistet.
Infos
[1] DVDStyler: http://www.dvdstyler.org
[2] Dvdauthor: http://dvdauthor.sourceforge.net/
[3] Xine: http://www.xine-project.org
[4] Skripting mit DVDStyler: http://www.dvdstyler.org/docs/dvd_styler_guide.pdf







Eine andere Alternative ist QDVDAuthor geschrieben in Qt5:
https://sourceforge.net/projects/qdvd/